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Janna Luisa PieperWissenschaftliche Mitarbeiterin und Ph.D. Kandidatin am DARE Uni Göttingen

Gemeinsam mit Felix Anderl (Universität Marburg) veröffentlicht Janna Luisa Pieper ein Themenheft des Forschungsjournal Soziale Bewegungen: „Diversität der Landwirtschaftsproteste in Deutschland – Umkämpfte Reaktionen auf Transformationsdruck in agrarischen Strukturen“.

Im Winter 2023/2024 entluden sich auf deutschen Straßen eine Menge Emotionen. Die Ankündigung der Bundesregierung, die Agrardieselsubventionierung und KfZ-Steuerbefreiung für land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge abzuschaffen, mobilisierte ein breites landwirtschaftliches Spektrum. Die emotional aufgeladenen Kundgebungen von bäuerlichen Organisationen erhielten enorme mediale und politische Aufmerksamkeit – auch wegen einer in einigen Teilen zu beobachtenden rechten Schlagseite.

Das neue Themenheft des Forschungsjournals bietet einen differenzierten Blick auf die landwirtschaftlichen Proteste und zeigt deren Ursprünge, Repertoires und politische Artikulationsformen. Wissenschaftler*innen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen betrachten die landwirtschaftlichen Proteste der letzten Jahre (ab 2019) in Deutschland aus (agrar-) soziologischer und politikwissenschaftlicher Perspektive und präsentieren hier ihre theoretischen und empirischen Erkenntnisse.

Das Themenheft bietet die erste umfassende Analyse der „Bauernproteste“ der letzten Jahre. Die Beiträge zeigen multiperspektivisch die Dynamiken, Ursprünge und politische Richtungen der Proteste. So konstatiert etwa die empirische Studie von Birgit Peuker, Renata Motta, Lea Loretta Zentgraf und Judith Müller zu den Protestveranstaltungen von „Wir haben es satt“ und der Abschlusskundgebung der Aktionswoche der Bauernproteste antagonistische Tendenzen. Einen Einblick in die Transformationsorientierungen von protestierenden Landwirt*innen der Bauernproteste im Winter 2023/24 gewähren Hajo Holst, Steffen Niehoff und Martin Franz mit ihrer mixed-methods-Studie.

Mit der Frage, welche komplexe sozioökonomische, historische und emotionale Konstellation den Bauernprotesten zugrunde liegt, beschäftigt sich der Beitrag von Janna Luisa Pieper. Sie rekonstruiert auf Basis einer Analyse von bundesweit durchgeführten Gruppendiskussionen und ethnografischen Beobachtungen der Proteste die Tiefengeschichte von transformationsaversen Frauen in der Landwirtschaft. Dazu arbeitet sie ein Repertoire von Narrativen der Transformationsabwehr heraus und analysiert detailliert die zugrundeliegende vielschichtige Gefühlsstruktur. Davon ausgehend spannt sie einen Bogen über die teils prekären sozioökonomischen Bedingungen und historischen Bezüge der einstigen Bedeutung des „Bauernstandes“, um zu zeigen, wie sich eine ambivalente und teils explosive Gefühlstruktur – zwischen Selbstaufwertung und Ressentiment – formiert. Dabei lassen sich auch Versatzstücke (rechts-)populistischer Narrative aufdecken. Schließlich zeichnet Pieper nach, wie es vom Gefühlskollektiv zur Konstituierung einer (populistischen) Bewegung im Bauernprotestmilieu kommen kann.

Diese und drei weitere Beiträge ergeben zusammen eine facettenreiche Betrachtung der komplexen Lage der Menschen in der Landwirtschaft und deren politische Verortung in Zeiten des Transformationsdrucks.

 

Link zum Editorial (frei zugänglich):
https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/fjsb-2025-0048/html

Link zum Artikel von Janna Luisa Pieper (mit Uni-Lizenz zugänglich):
https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/fjsb-2025-0053/html

Link zum Themenheft:
https://www.degruyterbrill.com/journal/key/fjsb/38/4/html

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