Zwischen Aufbruch, Orientierung und Leitplanken
Unter dem Motto „AgrarStudium@KI“ fand am Donnerstag, den 29. Januar, erstmals ein fakultätsweiter KI-Tag an der Fakultät für Agrarwissenschaften statt, federführend organisiert von der Arbeitsgruppe KI rund um Prof. Dr. Jens Tetens. Ziel der Veranstaltung war es, aktuelle Entwicklungen und Projekte rund um den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in Studium, Lehre, Forschung und Verwaltung sichtbar zu machen und den fakultätsinternen Austausch zu fördern.
”Wir sind längst in einem groß angelegten Feldversuch, dessen Ausgang offen ist – und ohne Rückweg in den Zustand ‚vor KI‘.
Prof. Dr. Achim SpillerDekan der Fakultät
Eröffnet wurde der KI-Tag mit einem Impulsvortrag von Dekan Prof. Dr. Achim Spiller, der die gegenwärtige KI-Debatte an der Universität als Spannungsfeld zwischen Aufbruchsstimmung und Skepsis beschrieb. „Wenn wir derzeit über Künstliche Intelligenz sprechen, dann treffen wir auf dem Campus – und auch in unserer Fakultät – auf zwei unterschiedliche Camps“, so Spiller. Auf der einen Seite stehe eine große Erwartungshaltung gegenüber neuen Möglichkeiten in Lehre und Forschung, auf der anderen Seite wüchsen Sorgen mit Blick auf Risiken wie Halluzinationen, Datenschutz oder eine trügerische Sicherheit durch scheinbar überzeugende Texte.
Spiller machte deutlich, dass diese Gegensätze nicht als Widerspruch, sondern als reale Spannungen zu verstehen seien: „Ich möchte diese beiden Perspektiven ausdrücklich nicht gegeneinander ausspielen. Sie markieren reale Spannungen, die wir ernst nehmen müssen. “ Der Umgang mit KI erfordere daher vor allem Ambiguitätstoleranz – also die Fähigkeit, auch unter Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben. Zugleich sei klar: „Wir sind längst in einem groß angelegten Feldversuch, dessen Ausgang offen ist – und ohne Rückweg in den Zustand ‚vor KI‘.“
Vor dem Hintergrund der fachlichen Vielfalt der Agrarfakultät betonte Spiller, dass es keinen einheitlichen Umgang mit KI geben könne. „Dabei wird es nicht ‚den‘ einen richtigen Weg geben. Unsere Fakultät ist dafür zu heterogen – und genau das ist unsere Stärke.“ KI könne in den verschiedenen Disziplinen sehr Unterschiedliches leisten, berge aber auch unterschiedliche Risiken, wenn sie unreflektiert eingesetzt werde.
Ein Schwerpunkt Vortrags und auch des KI-Tages lag auf Studium und Lehre. Spiller verwies auf eine aktuelle Studierendenbefragung und stellte fest: „Viele sind verunsichert, was erlaubt ist, was sinnvoll ist und wie die Qualität ihrer Leistung bewertet wird. Der Wunsch nach Guidance ist groß.“ Er sprach sich daher für einen klaren und verständlichen Rahmen zum KI-Einsatz aus. Eine KI-Policy solle dabei nicht primär über Verbote wirken, sondern Orientierung geben und gemeinsam mit Studierenden entwickelt werden.
"Viele sind verunsichert, was erlaubt ist, was sinnvoll ist und wie die Qualität ihrer Leistung bewertet wird. Der Wunsch nach Guidance ist groß."
Prof. Dr. Achim SpillerDekan der Fakultät
Diese Einschätzung wurde durch ein in der Postersession vorgestelltes Projekt zur „Digitale Assistenz im Agrarstudium: Eine empirische Analyse zur Nutzung von Künstlicher Intelligenz“ (siehe Bild) empirisch unterfüttert. Die Ergebnisse zeigen, dass KI im Studienalltag bereits weit verbreitet ist, zugleich aber ein hoher Bedarf an klaren Regeln, Transparenz und didaktischer Einbettung besteht.
Auch für die Forschung skizzierte Spiller zentrale Herausforderungen und Handlungsbedarfe. Er betonte, dass es auch hier keine universelle Lösung geben könne: „Auch in der Forschung wird es nicht ‚die‘ eine Policy geben.“ Stattdessen plädierte er für verbindliche, arbeitsgruppenspezifische Regelungen zum KI-Einsatz. „Eine Policy im Team ist Risikomanagement und Qualitätskultur“, so Spiller. KI könne als Sparringspartner bei Analyse, Strukturierung oder Textarbeit hilfreich sein, berge aber zugleich die Gefahr, problematische Abkürzungen zu begünstigen. Vor diesem Hintergrund mahnte er zu einem bewussten Umgang mit KI im wissenschaftlichen Publikationsprozess und formulierte das Ziel, „besser zu publizieren statt mehr“.
Darüber hinaus ging Spiller auf den Einsatz von KI in Verwaltung und unterstützenden Bereichen ein. Auch hier könne KI zu spürbarer Entlastung beitragen. Gleichzeitig warnte er vor unkritischer Automatisierung: „Gerade in Verwaltungsprozessen sind Fehler und Halluzinationen besonders riskant.“ KI solle daher unterstützen, nicht entscheiden, und müsse stets in klare Verantwortlichkeiten und Prüfroutinen eingebettet sein.
An den Impulsvortrag von Spiller schloss sich die Keynote von Dr.in Ella Grießhammer vom Internationalen Schreiblabor an. In ihrem Vortrag „Ethische und lerntheoretische Herausforderungen studentischer KI-Nutzung“ richtete sie den Blick insbesondere auf die Auswirkungen von KI auf Lern- und Schreibprozesse. Sie thematisierte ethische Fragen ebenso wie die Gefahr eines schleichenden Kompetenzabbaus, wenn zentrale kognitive Leistungen frühzeitig an KI delegiert werden. Damit vertiefte sie zentrale Aspekte der zuvor diskutierten Fragen nach Selbstständigkeit, Bewertung und Qualität wissenschaftlicher Arbeiten.
Im Anschluss an die Impulsvorträge wurden insgesamt acht der elf durch die Fakultät geförderten KI-Projekte vorgestellt. Die thematische Bandbreite reichte von der Integration generativer KI in Lehre und Prüfungsentwicklung über Anwendungen in der Agrarökonomie und Transformationsforschung bis hin zu KI-gestützten Ansätzen in der Tierzucht und Videodokumentation. Die Projekte machten deutlich, wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten von KI an der Agrarfakultät bereits sind – und wie unterschiedlich die damit verbundenen Fragestellungen ausfallen.
Fazit
Insgesamt stieß der fakultäre KI-Tag auf großes Interesse und wurde innerhalb der Fakultät als sehr gelungen bewertet. Die Diskussionen machten deutlich, dass der Austausch zu Künstlicher Intelligenz in Studium, Lehre, Forschung und Verwaltung ein wachsendes Thema darstellt und eines geeigneten Formats bedarf. Vor diesem Hintergrund verständigte sich die Fakultät darauf, den KI-Tag künftig weiterzuführen, um den fakultätsinternen Austausch zu KI-bezogenen Fragestellungen dauerhaft zu verankern und weiterzuentwickeln.
