Skip to main content

Maßnahmen, die als zu kostenintensiv oder ertragsmindernd empfunden werden, wie reduzierte Bodenbearbeitung und Direktsaat, würden sicher eine höhere Akzeptanz erzielen, wenn es entsprechende Anreizsysteme gäbe.

Dr. Julia Rosa-SchleichLandkreis Kassel im Fachbereich Landwirtschaft

Forschungsteam der Universität Göttingen untersucht Erwartungen von Landwirten

Wie schätzen Landwirtinnen und Landwirte Maßnahmen ein, die die Vielfalt in der Landbewirtschaftung erhöhen? Eine solche Diversifizierung kann einen wesentlichen Beitrag zur biologischen Vielfalt in Agrarlandschaften leisten und gerade in Zeiten des Klimawandels auch ökonomische Vorteile bieten. Zum Thema haben Forschende der Universität Göttingen Landwirte und Landwirtinnen interviewt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Befragten eine Erweiterung der Fruchtfolge als ökologisch wie ökonomisch vorteilhaft sehen, wohingegen die Beurteilung anderer Diversifizierungsmaßnahmen unterschiedlich ausfällt. Landwirtinnen und Landwirte, die Ackerbau und Viehhaltung integrieren, sehen mehr ökonomische Vorteile gegenüber reinen Ackerbaubetrieben. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Ecological Economics publiziert.

Die ausführlichen Interviews mit 145 Landwirtinnen und Landwirten in Niedersachsen sollten die Erwartungen an die ökologischen und ökonomischen Vorteile in der Getreideproduktion erfassen. Im Durchschnitt schätzten die Befragten, dass eine diversifizierte Fruchtfolge ihren Profit um 20 Prozent erhöht. Andere Maßnahmen zur Diversifizierung wurden dagegen als eher nachteilig für den Profit betrachtet. So vermuteten die Interviewten, dass die Gewinne bei der reduzierten Bodenbearbeitung um 58 Prozent sinken, bei der Direktsaat um 61 Prozent und bei der Anlage von Blühstreifen um 13 Prozent. In der Einschätzung von Einsaat von Zwischenfrüchten überwogen die ökologischen Vorteile die um nur ein Prozent geringer geschätzte Gewinnerwartung. Landwirtinnen und Landwirte, die Ackerbau und Viehhaltung integrieren, erwarteten mehr ökonomische Vorteile der Diversifizierung als diejenigen von reinen Ackerbaubetrieben. Diese Erwartungen wurden nicht von Unterschieden in der Risiko-Einstellung der Landwirtinnen und Landwirte beeinflusst.

„Maßnahmen, die als zu kostenintensiv oder ertragsmindernd empfunden werden, wie reduzierte Bodenbearbeitung und Direktsaat, würden sicher eine höhere Akzeptanz erzielen, wenn es entsprechende Anreizsysteme gäbe“, sagt die Erstautorin Dr. Julia Rosa-Schleich, die diese Arbeit im Rahmen ihrer Promotion in der Abteilung Agrarökologie an der Fakultät für Agrarwissenschaften geschrieben hat. „Maßnahmen zur Erweiterung der Fruchtfolge und zur Diversifizierung der angebauten Kulturpflanzen leisten einen wichtigen Beitrag zu Erhalt und Förderung der Artenvielfalt und sind deshalb besonders wichtig für eine ökologisch wie ökonomisch vorteilhafte Entwicklung der Landwirtschaft“, ergänzt der Göttinger Agrarökologe Prof. Dr. Teja Tscharntke, der die Dissertation zusammen mit dem Göttinger Agrarökonomen Prof. Dr. Oliver Mußhoff und der Umweltwissenschaftlerin Prof. Dr. Jacqueline Loos von der Leuphana Universität Lüneburg betreut hat.

Originalveröffentlichung: Julia Rosa-Schleich et al. (2023). Mixed farmers’ perception of the ecological-economic performance of diversified farming. Ecological Economics. https://doi.org/10.1016/j.ecolecon.2024.108174

Kontakt

Dr. Julia Rosa-Schleich
Landkreis Kassel
Fachbereich Landwirtschaft
Manteuffel-Anlage 5, 34369 Hofgeismar
julia.rosa@agr.uni-goettingen.de

Prof. Dr. Teja Tscharntke
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Agrarwissenschaften – Abteilung Agrarökologie
Grisebachstraße 6, 37077 Göttingen
Telefon: (0551) 39-29205
E-Mail: ttschar@gwdg.de
Internet: www.uni-goettingen.de/en/92552.html

Kommentar verfassen